Auf dem Weg
zur integrierten Behandlung
Mit neuen Angeboten und Konzepten treibt die PBL die integrierte Behandlung erwachsener Patientinnen und Patienten über alle Therapie-Settings voran. Dies war ein Schwerpunkt des Geschäftsjahres 2025.
In der Erwachsenenpsychiatrie (EP) hat die PBL 2025 mehr Patientinnen und Patienten behandelt als im Vorjahr. Die Zahl der Fälle blieb praktisch unverändert auf dem Niveau des Vorjahres. Gleichzeitig hat sich die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in den Stationen weiter verkürzt. Ein wesentlicher Grund dafür ist die zunehmende Verlagerung von der stationären in ambulante und intermediäre (tagesklinische und aufsuchende) Behandlungsformen.
- Organische psychische Störungen 458
- Psychische Störungen durch psychotrope Substanzen 1'243
- Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen 339
- Affektive Störungen 1'312
- Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen 779
- Verhaltens-/emotionale Störungen mit Kindes-/Jugendbeginn 111
- Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen 489
- Übrige 1'162
Erwachsenenpsychiatrie
(Anzahl Patientenfälle)
Meine Therapeutin ist sehr verständnisvoll gewesen, hat mir immer zugehört und hatte das nötige Feingefühl.»
Neue Klinikgebäude begünstigen integrierte Behandlung
Die baulichen Veränderungen der PBL fördern die Integration der Behandlungsangebote. Auch Haus Biental auf dem Campus Liestal, das derzeit totalsaniert wird, soll künftig darauf ausgerichtet werden. Dort etabliert die PBL ambulante und tagesklinische Angebote, die derzeit noch in Haus D an der Rheinstrasse untergebracht sind. Diese rücken damit in die räumliche Nähe der stationären und anderen Leistungen der PBL. In Haus Biental bringt die PBL darüber hinaus die Triage und Aufnahme, eine geplante Walk-in-Ambulanz sowie die Klinikapotheke und den somatischen Dienst unter.
Bereits ins Haus Biental eingezogen ist die Abgabestelle (Substitution) des Schwerpunktes Abhängigkeitserkrankungen (SAE). Diese war bisher im SAE-Ambulatorium an der Wiedenhubstrasse untergebracht. Die übrigen Leistungen dieses Ambulatoriums wurden vorübergehend ins Haus D an der Rheinstrasse verlegt. Das alte Haus an der Wiedenhubstrasse wurde abgerissen, weil hier das neue Wohngebäude für den Unternehmensbereich inclusoplus gebaut wird.
Bedarfsgerechte evidenzbasierte Behandlung
Die integrierte Behandlung soll in allen Schwerpunkten der Erwachsenenpsychiatrie umgesetzt werden. In der integrierten Behandlungsstruktur ist ein Wechsel zwischen dem ambulanten, tagesklinischen, aufsuchenden und stationären Setting jederzeit bedarfsorientiert möglich. Bei einem Settingwechsel der Patientin oder des Patienten bleibt das jeweilige Behandlungsteam zuständig.
Mit der integrierten Behandlung werden folgende Ziele verfolgt: Leitlinienorientierte, evidenzbasierte Diagnostik, Therapie und Betreuung von Menschen ab dem 18. Lebensjahr mit psychiatrischen Erkrankungen in allen Settings. Dabei orientiert sich die Behandlungsmodalität am Gesundheitszustand der Patientinnen und Patienten, und die Konstanz des Behandlungsteams ist durchgehend gewährleistet.
Die Ressourcen der Patientinnen und Patienten im sozialen Umfeld werden dank integrierter Behandlung aktiv erschlossen und der Kontakt zum gewohnten sozialen Umfeld soweit wie möglich erhalten. Der Informations- und Zeitverlust in Diagnostik und Therapie sowie der administrative Aufwand werden reduziert.
Die Therapien in der Tagesklinik haben mir sehr gut getan. Das Personal war sehr einfühlsam und auch humorvoll. Ich bin dankbar, dass ich an diesen Ort kam.»
Betriebsmodell pflegerisch und ärztlich-therapeutisch nachhaltig sichern Mit dem Umzug 2023 in die neuen Klinikgebäude auf dem Campus in Liestal und der Konzentration der Behandlungsangebote hat die Erwachsenenpsychiatrie die interprofessionelle Zusammenarbeit neu organisiert. Ziel war es, dass die pflegerischen und ärztlich-therapeutischen Fachpersonen möglichst viel Zeit mit den Patientinnen und Patienten verbringen können. Um sicherzustellen, dass das Betriebsmodell in der Grundidee gelebt wird und eine gezielte, homogene Weiterentwicklung stattfinden kann, fand im 2025 im zweiten Jahr in Folge eine terminierte Erhebung statt. Die Ergebnisse zeigten viele stabile und positive Entwicklungen in Bezug auf Wirkung und Umsetzungsqualität des Betriebsmodells, unter anderem die wirksame Unterstützung durch die Stationsassistenzen, die Methoden der Problemlösung, die intra- und interprofessionelle Zusammenarbeit, die Konstanz in der Patientenbeziehung und auch das positive Patientenfeedback. An diversen Elementen muss noch nachgebessert werden, unter anderem an der schwerpunktübergreifenden Abstimmung oder an der Informationsüberleitung. Grundsätzlich zeigt die Nachhaltigkeitssicherung, dass sich das Betriebsmodell mit der neuen Organisationsstruktur trotz Herausforderungen grundsätzlich bewährt.
Die Psychiatrie Liestal überrascht mit exzellenten Duschen, gemütlichem Ambiente und überraschend leckerem Essen.»
Programm für Menschen mit Identitäts- und Beziehungsstörungen
Das 2025 lancierte Programm IBIS (Integrierte Behandlung von Menschen mit Identitätsstörungen) ist ein Teil der Weiterentwicklung der EP in Richtung integrierte Behandlung. Es richtet sich an Patientinnen und Patienten mit schweren Persönlichkeitsstörungen, die das Gesundheitssystem oft stark beanspruchen. Diese Menschen benötigen häufig wiederholte stationäre Kriseninterventionen, was die Behandlung komplex macht und das therapeutische und pflegerische Personal stark fordert.
IBIS bietet den Betroffenen eine verlässliche, koordinierte und langfristig tragfähige Versorgung in individuell passenden Settings innerhalb der PBL. Entscheidend sind dabei eine kontinuierliche Behandlungsplanung und klare Zuständigkeiten. Zentral in diesem Modell ist eine schriftliche Behandlungsvereinbarung. Sie schafft Transparenz und Verbindlichkeit und erleichtert die Zusammenarbeit mit externen Fachstellen. Das sind etwa ambulante Therapeutinnen und Therapeuten, Wohneinrichtungen, Beistände, Sozialarbeitende oder Notfallstationen. Das Projekt ist erfolgreich gestartet, und es zeigen sich erste positive Entwicklungen.
Geeignete Plätze für schwer kognitiv beeinträchtigte Menschen gesucht
Ein wichtiges Versorgungsthema 2025 betrifft Menschen mit schweren kognitiven Beeinträchtigungen. Das sind etwa Störungen der Intelligenzentwicklung oder schwerer Autismus. Diese Personen benötigen meist eine dauerhafte sozialpädagogische Betreuung, finden aber oft keinen geeigneten Platz in spezialisierten Institutionen. Häufig werden sie darum in psychiatrische Kliniken eingewiesen, obwohl keine stationäre psychiatrische Behandlungsindikation besteht. Die Klinik ist kein dauerhafter Lebensort für diese Personen, sondern erbringt ausschliesslich medizinische und therapeutische Leistungen im Rahmen kurzzeitiger Aufenthalte.
Ein ungeeignetes Milieu kann zu negativen Folgen für diese Menschen, aber auch für Mitpatientinnen und -patienten sowie für Mitarbeitende führen. Zudem entstehen hohe Kosten, deren Finanzierung zum Teil nicht geregelt ist. Es braucht für diese Menschen Wohnraum mit geeigneter pädagogischer Unterstützung und bei Bedarf psychiatrischer Behandlung vor Ort. Diese soll intensiviert werden können, möglichst ohne, dass die Betroffenen in andere Institutionen verlegt werden müssen.
Mit Beteiligung des Direktors Erwachsenenpsychiatrie, Prof. Dr. Matthias Jäger sowie dem Gesamtleiter von inclusioplus, Peter Frei, wurde 2025 eine Arbeitsgruppe für diese Versorgungsthematik gebildet. Sie vereint Anbieter von Wohnheimen, Behörden und Fachpersonen mit dem Ziel, in den Kantonen Baselland und Basel-Stadt geeignete Angebote auf- und auszubauen.
In der Psychiatrie Baselland fühlte ich mich zum ersten Mal wirklich verstanden.»
Zwangsmassnahmen stark reduziert
Die PBL setzt sich intensiv für die Prävention von freiheitsbeschränkenden Massnahmen ein. Obwohl die Zuweisungen per Fürsorgerischer Unterbringung in der Schweiz steigen – auch im Kanton Basel-Landschaft – konnte die PBL die Anzahl von freiheitsbeschränkenden Massnahmen und die Dauer von Isolationen in den letzten fünf Jahren halbieren.
Wesentlich begünstigt hat diesen Erfolg eine konsequente Weiterentwicklung der therapeutischen Haltung und strukturelle Anpassungen. Im landesweiten Vergleich liegt der Kanton Baselland laut Bundesamt für Statistik deutlich unter dem Durchschnitt bei den Fürsorgerischen Unterbringungen pro 1'000 Einwohnerinnen und Einwohner und die Erwachsenenpsychiatrie der PBL unter dem schweizweiten Durchschnitt bei den freiheitsbeschränkenden Massnahmen.
Unterschiedlich vom Fachkräftemangel betroffen
Bei den Assistenzärztinnen und -ärzten hat sich die Bewerberlage im Berichtsjahr stark verbessert. Wöchentlich gehen mehrere Initiativbewerbungen ein, und viele Studierende bewerben sich als Unterassistentin oder Unterassistent. Ein Grund für diese erfreuliche Entwicklung dürfte auf verstärkte Anstrengungen zurückzuführen sein, das Ausbildungs- und Weiterbildungsangebot der PBL für Assistierende sichtbarer zu machen. Herausfordernder bleibt die Rekrutierung von Oberärztinnen und Oberärzten. Deshalb setzt die PBL vermehrt auf gezielte Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten für diese Zielgruppe.
Fruchtbare Kooperation mit dem Kantonsspital Baselland
Erfreulich entwickelt hat sich auch die Zusammenarbeit mit Partnerinstitutionen. Die Kooperation mit dem Kantonsspital Baselland in der Konsiliar- und Liaisonpsychiatrie hat sich sehr gut etabliert und wird derzeit im Bereich schwere Essstörungen und bei der internistischen Versorgung von Patientinnen und Patienten der PBL ausgebaut.
Tagungen und Weiterbildungen
Das 9. Pflegesymposium beider Basel in Basel, mitorganisiert von der PBL, stand im Februar unter dem Thema "Vertrauen in der psychiatrischen Therapie und Pflege". Das Praxisforum Akutpsychiatrie, ebenfalls von der PBL mitverantwortet, wurde im Mai in Zürich ausgetragen. Thema der gut besuchten Jahrestagung vom Juni in Liestal war die integrierte Versorgung. Fachpersonen aus dem In- und Ausland tauschten sich über die Chancen und Herausforderungen eines vernetzten Versorgungssystems über alle Behandlungs-Settings hinweg aus.